illustration eines swipenden Fingerlis

Unser Touchscreen-Kiosk für Mac

Zugegebenermassen ein wenig verzweifelt, haben wir richtig guten Touchscreen-Support auf den Mac gebracht. Zumindest für was wir’s brauchen: im Browser.

Bei Lucid sind fast alle screenbasierten Projekte, technisch gesehen, Websites. Auch wenn sie am Ende auf einer Touch-Stele laufen oder auf einem Screen in einer Installation. Einerseits weil wir uns da zu Hause fühlen, andererseits weil wir so ohne Verzögerung von überall her Anpassungen machen können. Und manchmal soll dasselbe Ding ja beides: in der Ausstellung auf einem Touchscreen laufen und ausserhalb auf dem eigenen Gerät. Vorweg, damit niemand umsonst weiterliest: Was folgt, funktioniert nur für Dinge, die in einem Browser laufen. Wer direkt auf dem Betriebssystem herumtappen möchte, für den haben wir keine guten Neuigkeiten. Für alle anderen schon.

Was ist das Problem?

Leider unterstützen Macs Touchscreens nicht. Während man bei einem Windows-PC einen Touchscreen ohne Probleme verbinden kann, ist ein Touchscreen an einem Mac leider einzig ein Screen und ganz ohne Touch.

Wenn wir also für eine Ausstellung oder einen Messestand einen Touchscreen einsetzen wollten, mussten wir bisher einen Mini-PC verwenden. Grundsätzlich ist daran auch nichts falsch, nur eignet sich ein Silicon Mac mini oftmals viel besser. Er ist nicht nur klein, zuverlässig, lautlos, verbraucht wenig Strom, sondern ist auch im Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut.

Wer also einen Mac mit einem Touchscreen nutzen möchte und genug verzweifelt ist, testet wahrscheinlich ein paar der kostenpflichtigen Treiber – merkt aber sehr bald, dass das nichts wird.

Verzweifelt genug waren wir, als wir merkten, dass unsere komplexe Rive-Welt (Animationssoftware Rive) auf dem Mac mini für CHF 700 tiptop lief – und auf dem Mini-PC zum doppelten Preis nicht. Auf dem «Minix» lief die GPU immer wieder am Anschlag, worauf das ganze System ins Stocken geriet. Der Mac lag bei etwa 13 Prozent. Mir ist klar: Als native App umgesetzt, etwa mit DirectX, wäre das Ergebnis vermutlich ein anderes. In diesem Projekt führte hingegen aus anderen Gründen kein Weg an Webtechnologien vorbei. Irgendwie hatte man das akzeptiert: Touch auf dem Mac, so schien es, ging halt einfach nicht – zumindest nicht richtig, mit Multitouch und allem, was man sich wünscht. Am Ende griffen wir zu einem sehr leistungsstarken PC, blieben aber mit der Frage zurück, wie wir das Problem langfristig lösen wollen.

Die Lösung: Den Treiber weglassen

Inzwischen haben wir für uns die perfekte Lösung gefunden: Wir überspringen den fehlenden Treiber des Betriebssystems und geben die nackten Signale des Touchscreens direkt an Chromium weiter. Das Betriebssystem bekommt davon nichts mit. Um alles Weitere kümmert sich der Browser. In unserem Lucid-Touch-Kiosk steckt darum gar nicht so viel Code. Er leitet die Signale weitgehend unverändert weiter und Chromium behandelt sie wie native Touch-Inputs. Multitouch, Momentum-Scroll, Pinch – alles verfügbar und genauso stabil wie auf einem PC.

Touch Kiosk als Open Source

Ganz so einfach, wie oben zusammengefasst, ist es dann doch nicht. Wirklich kompliziert, aber auch nicht; wer mehr wissen will, darf gerne ins Repo schauen. Unseren Heureka-Moment überlassen wir euch nämlich gratis und als Open Source: https://github.com/wearelucid/lucid-touch-kiosk. Wer Hilfe braucht, darf uns natürlich gerne schreiben. Viel Spass mit perfektem Touch-Support auf dem Mac. Wenn ihr uns zeigt, wofür ihr ihn benutzt habt, freuen wir uns natürlich umso mehr.

PS: It’s not a bug, it’s a feature. Edge-Swipes und Co. müssen nicht extra ausgeschaltet werden. Und sollte sich der Browser aus irgendeinem Grund selbst schliessen, kann am Screen kein Unfug passieren – das Betriebssystem unterstützt schliesslich nach wie vor keinen Touch. Manchmal ist ein fehlendes Feature die beste Sicherheitsmassnahme.

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